Rasseportrait des Picards

Rasseportrait des Picards

„Hier! „schallt es über den Hundeplatz. Alle Hunde rennen folgsam zu ihren Hundeführern, setzen sich und warten aufgeregt auf das nächste Kommando. Alle, bis auf den Picard, der sich betont langsam aus dem Platz erhebt und sich in einem erhabenen, majestätischen Trab zu seinem Menschen bewegt. Und es stört ihn in keinster Weise, dass er der Letzte ist, der dem Befehl gefolgt ist.

Wenn Sie über diese Szene mit einer großen Portion Humor lächeln können, sollten Sie diese Hunderasse besser kennen lernen.

Ursprung

„Man müsse den Menschenschlag seiner Heimat kennen, um den Picard verstehen zu lernen!“ meint Jean Cotté. Ihm ist es zu verdanken, dass diese Rasse in den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkrieges überlebt hat. „Hager und hoch aufgeschossen sei man dort in den Ebenen der Picardie, magere Kost und harte Arbeit gäben keine Gelegenheit zur Übergewichtigkeit.“


So wie die Landschaft den Menschen formt, der in ihr lebt, so formt sie auch den Hund. Noch immer wird den Bewohnern dieser Region nachgesagt, dass sie allem Neuen und Fremden gegenüber ablehnend und misstrauisch sind. Eine Eigenart, die sich auch im Wesen ihrer rauhaarigen Schäferhunde wiederfindet.

Tief im Nebel seiner Heimat, der Picardie, einer Region im Nordosten Frankreichs, ist die Herkunft und Frühgeschichte dieses Hundes. Dort in der ebenen Landschaft mit einem feuchten, maritimen Klima, häufigem Wind und Nebel an vielen Tagen des Jahres, in der von jeher Schaf- und Viehzucht weit verbreitet war, formte sich der seltenste und unbekannteste Vertreter unter den vier FCI-anerkannten Hütehundrassen Frankreichs.
Rustikal im Erscheinungsbild, im Wesen und bei der Arbeit hütete der Picard eigenverantwortlich, teilweise auch über mehrere Tage, die Herde des Schäfers. Eigeninitiative und selbstständiges Handeln prägten seinen Charakter, ein Erbe, das noch heute bei unseren Picards anzutreffen ist.

Aussehen

Ruppig und struppig und doch elegant, könnte die Kurzbeschreibung dieser picardischen Schäferhunde lauten. Mit seinem zerzausten Aussehen und dem schelmisch-spitzbübischen Blick der Augen im struppigen Gesicht wirkt der hagere Hund eher wie eine gelungene Mischung. Hinter der demonstrativen, naturbelassenen Schmucklosigkeit des Picards verstecken sich jedoch Eleganz und Ebenmaß in Vollendung. Seine kantige Statur verkörpert den Urtyp des arbeitenden Hütehundes, kraftvoll, substanzvoll, aber dennoch leicht und anmutig in der Bewegung. Sein charakteristischer raumgreifender und federnder Trab ähnelt einem zugleich kraftvollen wie mühelosen Dahinschweben eines Tänzers. Das offene raue Halblanghaarfell, das sich harsch und trocken zwischen den Fingern anfühlt, gibt dem Picard sein unordentlich-vagabundenhaftes Aussehen.

Trotz der offenen Struktur bietet das Haarkleid einen guten Schutz gegen Schmutz und Nässe und bedarf insgesamt keiner besonders aufwändigen Pflege.

Wesen

Die zu den französischen Hütehundrassen gehörenden Picards sind sehr selbstständige energische Hunde, die dazu neigen, Eigeninitiative zu ergreifen. Deshalb ist es ratsam, sich gut zu informieren, auf was man sich einlässt und ob diese Hunderasse wirklich zu einem passt, denn diese Selbstständigkeit erfordert eine gute Portion Konsequenz, Geduld, Beharrlichkeit, Einfühlungsvermögen und Humor von Seiten des Besitzers.
Die Erziehung eines Picards sollte mit Disziplin und Konsequenz, gepaart mit Freundlichkeit und Toleranz, aber keineswegs mit Gewalt und Schroffheit erfolgen.

Mit viel Einfühlungsvermögen in der Erziehung wächst der Picard mit seinem Menschen zu einem guten Team, geprägt von gegenseitigem Vertrauen, zusammen. Es liegt ihm nicht, aufs Wort zu gehorchen. Jedenfalls nicht aufs erste. Denn der Picard will seine Anweisungen und Handlungen verstehen. So versagen bei ihm die typischen Erziehungstipps und auch so mancher Hundetrainer verzweifelt, wenn die klassische Konditionierung mit den stetigen Wiederholungen an diesem Freigeist abprallt.
Für ein gutes Zusammenleben mit diesem Hund sind Durchsetzungskraft und Geduld mehr gefragt als die Dressur und Phantasie gepaart mit Humor viel wichtiger als dogmatische Methoden.

Ein entsprechend aufgezogener, richtig geprägter und gut erzogener Picard ist ein ausgeglichener, selbstbewusster, gelassener und in sich ruhender Hund, der sich vielen Situationen anpasst und sich im Haus und in der Wohnung ruhig verhält, sofern man ihm genügend Bewegung und Beschäftigung bietet. Im Freien entfaltet er dann sein ganzes sprühendes Temperament. Lauffreudig wie er ist, gibt er einen wunderbaren sportlichen Begleiter für Jogger, Wanderer und Radfahrer.



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